Nachts sind die Straßenverkehrsunfälle überdurchschnittlich häufig und schwerer als am Tage. Nach einer Erhebung in 13 OECD-Ländern hat die CIE (Internationale Beleuchtungskommission) festgestellt, daß 48,5 % aller tödlichen Verkehrsunfälle in der Nacht stattfinden, obgleich die nächtliche Kilometerleistung nur 25 % beträgt. Der Grund sind geringere Sehleistung bei Dunkelheit, Entfernungen werden schlechter eingeschätzt, das Erkennen von Farbunterschieden ist reduziert und Sehstörungen durch Blendung sind um ein Vielfaches höher als am Tage. Die CIE-Studie (CIE Publ. 93/1992) wie auch das vom deutschen Verkehrsministerium 1988 geförderte Forschungsvorhaben (Bericht der Bundesanstalt für Straßenwesen BAST V 14/1994) zeigen:
 

Straßenbeleuchtung reduziert nachweislich die Unfallzahlen. Reduzierungen der Beleuchtung, z.B. durch Nachtabsenkung, erhöhen das Unfallrisiko.
Bessere Beleuchtung könnte nach Voraussagen von Experten durchaus auch zu höherer Fahrgeschwindigkeit führen und damit das Unfallrisiko wiederum erhöhen. Die deutsche Untersuchung (BAST V 14/1992) hat entgegen solcher Vermutungen gezeigt, daß die Beleuchtungsverbesserungen außer im unteren Geschwindigkeitsbereich keine spürbare Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit und damit auch keine Kompensation des durch bessere Beleuchtung erwiesenen geringeren Verkehrsrisikos ergab.
SCOTT hat 1980 in Großbritannien an 100 Untersuchungsstrecken, im wesentlichen Hauptstraßen in bebauten Gebieten, einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Fahrbahnleuchtdichte und Unfallgeschehen – als Verhältnis der Nachtunfälle zu den Tagesunfällen skaliert – festgestellt. Die Erhöhung der mittleren Fahrbahnleuchtdichte von 1 cd/m² auf 2 cd/m² hat die Unfallzahlen um ca. 30% reduziert. Vornehmlich in der Zeit der Weltenergiekrisen der 70er Jahre wurde die Straßenbeleuchtung nachts entweder stark reduziert oder gar gänzlich ausgeschaltet. Die Folge war eine merkliche Erhöhung der Unfallzahlen. Aus dieser Zeit stammen eine Reihe von Untersuchungen über den Zusammenhang von Straßenbeleuchtung und Unfallgeschehen, und zwar weltweit, so auch in Deutschland, die die von Scott festgestellte Tendenz bestätige.

Bild: Trilux

Unfallschwerpunkte

Unfallschwerpunkte können mit geeigneten Maßnahmen soweit entschärft werden, dass eine erkennbare Reduzierung der Unfälle statt findet. Gerade die Verbesserung der Beleuchtung an Einmündungen und Kreuzungen läßt die Unfallzahlen zurückgehen, bzw. die Häufigkeit der schweren Unfälle reduziert sich. Nachfolgend sehen Sie eine Aufstellung von Unfallschwerpunkten (hier Kreuzungen) einer mittleren Großstadt im Südwesten von Deutschland. Die aufgeführten Kreuzungsnummer sind Unfallschwerpunkte, die über mehrere Jahre beobachtet wurden. Die Anzahl der Unfälle konnte an den Kreuzungen mit neuer oder verbesserter Beleuchtung stark reduziert werden.

Kreuzungsnummer Unfälle 2003 Unfälle 2004 Neue oder verbesserte Beleuchtung
2 24 6 ja
3 3 0 ja
4 23 11 ja
5 13 11 nein
10 14 2 ja
18 17 15 nein
26 5 5 nein
29 15 12 nein
32 11 0 ja
35 19 4 ja
37 23 7 ja
38 13 8 nein
39 5 4 nein
45 15 4 ja
54 8 6 nein
56 2 2 nein
57 2 1 nein
58 13 2 ja