In den letzten Jahren hat die solare Stromerzeugung (Photovoltaik) immer mehr Fortschritte gemacht. Bessere Materialien und damit verbundene bessere Wirkungsgrade lassen die Hoffnung nach der solaren Versorgung von öffentlichen Beleuchtungsanlagen wachsen. Angesichts angespannter öffentlicher Haushalte und leeren Stadtsäckeln steht die solarversorgte Beleuchtungsanlage als Hoffnungsträger für jeden Stadtkämmerer, den öffentlichen Haushalt zu entlasten. Desweiteren soll die solare Beleuchtungsanlage die natürlichen Ressourcen und die Umwelt schonen. Gerade aus diesem Grund hat eine große politische Partei, die sich des Erhalts der Umwelt verschrieben hat, einen Musterantrag veröffentlicht, in dem der Einsatz von solarbetriebenen Beleuchtungsanlagen in Ratssitzungen festgeschrieben werden soll.
 

Was ist dran an dem Hoffnungsträger "Solarbetriebene Beleuchtungsanlage"?

Wenn man sich das Spektrum der angebotenen Solarleuchten genauer betrachtet, so kann man feststellen, dass bis heute noch kein solarbetriebenes Beleuchtungssystem angeboten wird, dass mit ähnlich hohen Lichtleistungen, wie wir sie aus der heutigen Straßen kennen, aufwarten kann. Lediglich Lampenleistungen von 11 und 18 W werden üblicherweise angeboten. Was soll man mit einem erzeugten Lichtstrom von 900 bzw. 1200 Lumen anfangen? Leider wird dieser Lichtstrom meist mittels Kompaktleuchtstofflampen erzeugt, sodass der maximale Lichtstrom auch noch sehr temperaturabhängig ist und im Winter regelrecht in die Knie geht. Weiterhin muss man bedenken, dass eine solche Anlage auch in den Wintermonaten ihren Dienst verrichten muss. Durch die geringere Sonneneinstrahlung verkürzt sich jedoch die mögliche tägliche Betriebsdauer. Eine Anlage auch im Winter über die ganze Nacht zu betreiben, bedarf einer rießigen Solarzellenfläche und einer großen Speicherkapazität, die ständig vorgehalten werden muß. Und nur für den Sommer die Anlage zu betreiben wäre irgendwie am Thema vorbei. Leider sind die meisten Photovoltaikanlagen nicht wartungsfrei. Im Gegenteil. Durch die notwendige jährliche Prüfung des Säurestandes der Akkus und die Überprüfung des Ladezustandes muß eine solche Anlage 4-mal öfter gewartet werden, als eine herkömmliche Straßenbeleuchtungsanlage. Weiterhin müssen die Einschaltzeiten dem Ladevermögen der Akkus angepaßt und notfalls korregiert werden. Ansonsten sind Totalausfälle im Winter durch eingefrorene Akkus vorprogrammiert. Neue Technologien, wie LED-Technik und wartungsfreie Blei-Gel Akkumulatoren, die bereits in einigen Produkten eingesetzt werden, wecken jedoch die Hoffnung, dass diese Technik für einige Anwendungsfälle eine geeignete Alternative sein kann. Bei der Kostenbetrachtung sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass solare Beleuchtungssysteme bedingt durch ihre geringen Höhen, oft Ziel von Vandalismus und Diebstahl sind. Gerade die Solarmodule können bei der Ersatzbeschaffung sehr teuer werden. Solarmodule, die in den Beleuchtungskörper integriert sind, sehen nicht nur schöner aus, sondern sind auch schwerer zu entwenden. Einlaminierte Namensschilder in Solarmodulen können den Diebstahlschutz noch erhöhen. Weitere Kosten für Anschaffung, Installation und Fundament, dass oft bedingt durch die große Windangriffsfläche stärker ausfallen muss, addieren sich zu einem stattlichen Investitionsbetrag. Der Einsatz von solarversorgten Beleuchtungen ist deshalb weniger in der "normalen Strassenbeleuchtung", als an "netzfernen" Standorten wirtschaftlich interessant. Z.B. für einsam gelegene Bushaltestellen, für die die Verlegung einer notwendigen Stromversorgung über eine lange Strecke teurer kommt, als für eine Solaranlage. Es gibt sicher noch andere Anwendungsbeispiele, doch die ergeben sich im Alltag nach einer gründlichen Kostenanalyse verschiedener Varianten.
Weiter ist die Technik umso interessanter, je kleiner die zu versorgende Leistung ist, weshalb die Beleuchtung von z.B. Aushangkästen, Fahrpläne, Informationstafeln u.ä. mit Solartechnik deutlich wirtschaftlicher sein kann, als über einen Netzanschluss.
Kleine Anmerkung des Verfassers: Bei der Diskussion um solare Beleuchtung wird immer wieder davon gesprochen, dass wir ja mit jedem System Gutes für die Umwelt tun, da wir Strom zum Nulltarif produzieren und somit die Umwelt schonen. Die Belastung der Umwelt mit Schwefelsäure und Blei, bedingt durch den notwendigen Tausch der Akkus alle 4 bis 5 Jahre, muss man ebenfalls bedenken. Meiner Meinung nach sollte der Punkt "Energieersparnis" nicht so sehr in den Fordergrund gerückt werden, denn letztendlich ist es nicht das primäre Ziel, mit einem solchen System "Energie zu gewinnen", sondern es soll vorrangig problematische Beleuchtungsfälle elegant und kostengünstig lösen.
Wir würden uns freuen, wenn wir von Ihnen hören könnten, wie Sie es mit den Solarleuchten halten. Im obigen Artikel stecken unsere Erfahrungen von bereits umgesetzten Anlagen. Es kann jedoch durchaus sein, dass Sie andere Erfahrungen gemacht haben. Diese würden wir gerne einarbeiten und allen zugänglich machen. Schreiben Sie uns.