>

Die Beleuchtung von Tunneln und Unterführungen dient einem zügigen Verkehrsfluß und der Verkehrssicherheit. Bei den Fußgängertunneln kommt in zunehmendem Maße auch der Aspekt der allgemeinen Sicherheit hinzu. Die Beleuchtung derartiger Bauwerke bei Tageslicht stellt erhöhte Anforderungen insbesondere an das Beleuchtungsniveau. Erfahrungswerte aus der Straßenbeleuchtung dürfen nicht einfach übernommen werden, da das Beleuchtungsniveau in Tunneln und Unterführungen wegen der relativ langsamen Adaptation des menschlichen Auges um Größenordnungen höher liegen muß.Für die Beleuchtung von Verkehrstunneln gibt es eine deutsche Norm (DIN 67 524 Teile 1 und 2), internationale Empfehlungen der CIE und Entwürfe für europäische Normen( leider wird es bei den Entwürfen bleiben, den man hat sich leider nicht auf eine europaweite Richtlinie einigen können. Somit sind die EU-Mitgliedländer gefordern, jeder für sich eine Norm zu entwickeln und zu veröffentlichen) . Wie die allgemeine Straßenbeleuchtung ist auch die Tunnelbeleuchtung ganz auf den Kraftfahrzeugführer zugeschnitten. Einerseits aus dem Adaptationsvermögen und andererseits aus der zulässigen Höchstgeschwindigkeit leiten sich die Anforderungen an die Beleuchtung ab. Sie muß naturgemäß am Tunneleingang das höchste Niveau besitzen und kann entsprechend dem Adaptationsverlaufzum Tunnelinnern hin abnehmen. Für lange Tunnel wird prinzipiell ein wie in Abbildung 1 dargestellter Leuchtdichteverlauf zugrunde gelegt. Die Tunneleinfahrt erscheint als schwarzes Loch und muß daher besonders aufgehellt werden. Je nach Verbauungsbedingungen gelten Leuchtdichten für die Einsichtstrecke zwischen 100 und 400 Candela pro Quadratmeter.

 

 

 


 

 

 

 

Abbildung: Siteco Beleuchtungstechnik GmbH
A = Annährungsstrecke
B = Einsichtstrecke
C = Übergangsstrecke
D = Innenstrecke
E = Ausfahrtstrecke

 

 

 

Der Quotient aus der Leuchtdichte am Anfang der Einsichtstrecke (Lth) und der Leuchtdichte in der Annäherungsstrecke (L20) hat besondere Bedeutung.

k = Lth / L20


Dabei ist L20 die Leuchtdichte in der Annäherungsstrecke mit einem Öffnungswinkel von 20 Grad (nach DIN: 16 Grad), der den Tunneleingang und seine nähere Umgebung erfaßt. Die Werte für k werden nach der Beleuchtungsart - symmetrische Lichtverteilung oder Gegenstrahlbeleuchtung - in der internationalen Empfehlung der CIE angegeben. Im ersten Fall der symmetrischen Lichtverteilung strahlt die Leuchte gleichmäßig in beide Richtungen der Tunnellängsachse. Im zweiten Fall wird das Licht der Leuchte dem einfahrenden Fahrzeugführer entgegengestrahlt und verursacht so eine hohe Leuchtdichte auf der Fahrbahn. Bei symmetrischer Beleuchtung soll die Leuchtdichte der Einsichtstrecke fünf bis zehn Prozent der Leuchtdichte in der Annäherungsstrecke betragen, wogegen bei Gegenstrahlbeleuchtung vier bis sieben Prozent ausreichend sind. Die Eingangsleuchtdichte nimmt gemäß dem Adaptationsverlauf in Abhängigkeit von der erlaubten Höchstgeschwindigkeit nach dem Tunnelinnern kontinuierlich ab. Da die notwendige Eingangsleuchtdichte von der herrschenden Tageshelligkeit abhängt, wird sie automatisch gesteuert. Als Sensoren dienen Leuchtdichtemesser, die vor dem Tunneleingang bzw. im Tunnel angebracht sind. Die Leuchtdichte der Übergangsstrecke mündet in die relativ niedrige Leuchtdichte der Innenstrecke (3 bis 10 cd/m2). Am Tunnelausgang erfolgt aus Adaptationsgründen häufig ein Anheben der Leuchtdichte, um den Übergang zur Tageshelligkeit sicherer zu gestalten. Eisenbahnunterführungen oder Kanalunterquerungen bestehen meist aus kurzen Tunneln.
Das typische an einem kurzen Tunnel ist, dass man den Ausgang von der Annäherungsstrecke aus sehen kann und die Tunnelinnenwände sich bei Annäherung als dunkler Rahmen darstellen. Sowohl dieser dunkle Rahmen als auch die hell erscheinende Ausfahrt vergrößern sich bei Annäherung, was zu einem schwer einzuschätzenden Adaptationsverlauf führt. Daher rührt die Auffassung, daß kurze Tunnel am Eingang ähnlich beleuchtet werden sollten wie lange Tunnel.
Ganz anderen Gestaltungsgesichtspunkten unterliegt die Beleuchtung von Fußgängertunneln. Zunächst muß man auch hier die Tunnel nach ihrer Große und Bedeutung unterscheiden in:

 

 

weiträumige Fußgängertunnel in den Zentren von Städten und Gemeinden bzw. unter großen Kreuzungen und

enge Tunnel zum Zwecke der Unterquerung von verschiedenen Verkehrseinrichtungen, meistens von Eisenbahnstrecken oder Straßen.

 

 

 

Aus der Darstellung dieser beiden extrem unterschiedlichen Varianten wird die Vielgestaltigkeit dieser Bauwerke deutlich. Im ersten Fall kann es sich um unterirdische Geschäftsetagen handeln, die nach den Vorschriften für die Innenraumbeleuchtung behandelt werden. Auf eine umfassende Behandlung dieser Tunnelkategorie sei hier verzichtet. Kritischer aus allgemeinen Sicherheitsgründen sind die zur Außenbeleuchtung gehörenden engen Tunnel. Häufig findet man sie z.B. als Durchbrüche durch Bahndämme oder als Unterführungen im Bereich von Bahnhöfen. Diese engen und meist dunklen Tunnelröhren verursachen insbesondere bei Frauen Angstgefühle und stellen oft auch tatsächlich Gefahrenbereiche dar. Körperliche Angriffe und Vandalismus gegen die Beleuchtungsanlagen sind häufig anzutreffende Delikte. Neu für die beleuchtungstechnischen Kennziffern ist auch hier die Einführung der halbzylindrischen Beleuchtungsstärke (Tab.II).

 

 

 
Beleuchtungsstärke [lx] am Tag in der Nacht
mittlere horizontale (Ehm) 100 40
min. horizontale (Ehmin) 50 20
min. halbzylindrische (Ezhmin) 25 10
maximale Blendungsbegrenzung: L x A0,25 = 6000
 

 

 

 

Das erscheint für diesen Fall sehr sinnvoll, geht es doch vorrangig um die Erkennung von Gesichtern und das Erkennen der Absichten sich begegnender Personen. Bei der Planung der Beleuchtung für enge Tunnelröhren darf man sich durch ihre meist geringe Länge nicht zur eventuellen Nichtbeleuchtung entschließen. Auch Tunnellängen von unter 20 Metern können eine Beleuchtung dringend erforderlich machen. Bei extrem geringen Querschnittsmaßen von z.B. vier bis fünf Metern Breite und zweieinhalb bis vier Metern Höhe nehmen die horizontale und die vertikale Beleuchtungsstärke durch das Tageslicht sehr rasch ab und sind bereits nach vier Metern auf ca. 20 Prozent der Werte am Tunneleingang abgefallen.

   
 

 

 

Beachte: Eine falsch projektierte Beleuchtungsanlage in Tunnelbauwerken kann verheerende Folgen haben!

Fotolia 118231914 XS

Technical Guide for Streetlights and Outdoor Lighting
Orderlink

Besuchen Sie uns auf Facebook

Technik 120x90

Buchvorstellung

Buchvorstellung 2

Wer ist online?

Aktuell sind 488 Gäste und keine Mitglieder online

Zum Seitenanfang