Skotopisches Sehen

 

Die beiden Rezeptorsysteme im Auge (Zapfen und Stäbchen) versetzen uns in die Lage, farbige Impulse zu verarbeiten und sehr große Schwankungen der Reizintensitäten wahrzunehmen. Die große Intensitätsbandbreite wird allerdings damit erkauft, dass bei Dunkelheit nur ein Schwarz/Weiß Sehen möglich ist (skotopisches Sehen, Nachtsehen). Im skotopischen Bereich (Adaptationsleuchtdichten < 0,01 cd/qm;) werden die Stäbchen als Empfängertypen aktiv. Da sich im gelben Fleck nur Zapfen befinden, kann man in der Dunkelheit direkt fixierte Gegenstände nur schwer oder gar nicht erkennen. Die Hellempfindlichkeit Vλ’ stellt deren Bewertungsfunktion dar. Im skotopischen Bereich verschiebt sich das Maximum der spektralen Hellempfindung zu kürzeren Wellenlängen (lmax = 507nm).

 

 

 

Photopisches Sehen

Das Farbensehen, welches durch die Kombination der drei Zapfentypen möglich ist, erfordert eine ausreichende Beleuchtung. In diesem photopischen Bereich (Adaptationsleuchtdichten > 10 cd/qm) wird das Sehen durch die Zapfen in der Netzhaut bestimmt. Deren Empfindlichkeit beschreibt die spektrale Hellempfindlichkeit Vλ (lmax = 555 nm). Die im zentralen Areal angesiedelten Zapfen ermöglichen ein Sehen mit sehr hoher räumlicher Auflösung und hoher Kontrastempfindlichkeit. Die beiden Rezeptorsysteme weisen eine unterschiedliche Empfindlichkeit gegenüber Licht verschiedener Frequenzen auf. Das hat zur Folge, dass farbige Gegenstände, die im Tageslicht die gleiche Helligkeit aufweisen, in der Dämmerung verschieden hell erscheinen. Das Empfindlichkeitsmaximum für das skotopische Sehen liegt bei 507 nm und für das photopische Sehen bei 555 nm. Blaue Farben erscheinen bei Dunkelheit heller, rote Farben werden wegen der Verschiebung dunkler.

 

 

Mesopisches Sehen

Für den nächtlichen Straßenverkehr sind Leuchtdichten zwischen den Bereichen 0,01 – 30 cd/qm typisch. Man spricht vom mesopischen Bereich, also dem Bereich zwischen skotopischen Sehen (reines Nachtsehen)und photopischen Sehen (reines Tagsehen). Eine standardisierte Bewertung von Licht in diesem Bereich ist bis heute nicht erfolgt. Es gibt jedoch erste Untersuchungen, die Anhaltspunkte dafür liefern, dass die bekannten Messmethoden und Messgrößen zur Straßenbeleuchtung neu überdacht werden müssen, da alle Kenngrößen nach dem photopischen Sehen bewertet wurden. Dies ist so nicht mehr haltbar. Zumindest sind die heutigen Lichtstrombewertungen durchaus in Frage zu stellen. Weitere Untersuchungen dazu werden folgen.

Doch hieraus den Schluss zu ziehen, dass man bei weißem Licht mehr erkennt oder man weniger Leistung mit weißem Licht benötigt ist falsch. Den bei allen Forschungsergebnissen ist zu beachten, dass die teilnehmenden Probanten eher jüngeren Alters sind (Studenten). Doch gerade ältere Menschen, die die Straßenbeleuchtung am dringensten brauchen, sehen bei roten Spektren eher besser. Weitere Forschungsergebnisse bleiben abzuwarten.

Es gibt sogar Fälle, in denen Hersteller Lichtströme von Leuchtmitten erhöhen, weil weißes Licht angeblich besser sichtbar ist. Dies ist nach unserer Auffassung unseriös und falsch.