imh2014gGasbetriebende Straßenleuchten sind nach wie vor in vielen Städten anzutreffen. Zum Teil wird die Gasbeleuchtung aus Tradition aber auch wegen dem Mangel an Sanierungsmitteln noch betrieben. Weiterhin haben sich auch in einigen Städten Gruppen, Vereine oder Bürgerinitiativen gebildet, die für den Erhalt der Gasbeleuchtung kämpfen. Dabei muss man jedoch bedenken, dass der Betrieb von Gasbeleuchtung eine der unwirtschaftlichsten Methoden zur Erzeugung von Straßenbeleuchtung ist. Die heute verwendeten Gasglühkörper können bezüglich Lichtausbeute, Lichtstroms und Lebensdauer dem elektrischen Licht bei Weitem nicht das Wasser reichen.

Auf Basis eines Berechnungsbrennwertes von 9,86 kWh/m3 für Erdgas beträgt der Gasverbrauch eines Glühkörpers ca. 0,027 m3/h = 0,266 kWh/h, der Gasverbrauch eines Zündflammen-Glühkörpers ca. 0,0065 m3/h = 0,064 kWh/h

Für eine fünfflammige Gasleuchte ergibt sich daraus ein Anschlußwert von 1,39 kW (1390 Watt). Der Lichtstrom eines Gasglühkörpers beträgt rund 500 lm. Somit werden in einer fünfflammigen Gasleuchte rund 2500 lm erzeugt. Somit ergibt sich eine rechnerische Lichtausbeute für das Gaslicht von rund 1,8 lm/W. Elektrische Lichtquellen für die Straßenbeleuchtung können im Vergleich bis zu 100 lm/W (Natriumdampf-Hochdrucklampe) oder sogar bis zu 130 lm/W (LED) erzeugen. Der Gesamtlichtstrom einer Gasleuchte ist aber nicht beliebig erhöhbar, da sich die Glühstrümpfe mit ansteigender Zahl gegenseitig abschirmen.
Für die erste Gasbeleuchtung wurde das sogenannte Stadtgas genutzt, dass bis in die späte Nachkriegszeit hauptsächlich aus Steinkohle gewonnen wurde. Zu diesem Zweck wurde die Kohle im Gaswerk unter Luftabschluss auf 1000 bis 1200°C erhitzt, wobei das in der Kohle enthaltene Gas entwich (Kohleentgasung). Das (giftige) Rohgas wurde zunächst in einem aufwändigen Destillationsprozeß von Teer, Ammoniak, Naphtalin, Schwefelwasserstoff und Benzol gereinigt. Neben der Großindustrie wurde dieser Verarbeitungsprozeß in größeren Städten oft von den Stadtwerken vorgenommen, die das Gas über Erdleitungen zum Verbraucher schickten (daher stammt der Begriff "Stadtgas"). Stadtgas setzte sich zur Hauptsache aus Wasserstoff (51%), Methan (21%), Stickstoff (15%) und Kohlendioxid (9%) zusammen. Die entgaste Kohle (Koks) wurde für Heizzwecke weiterverwendet. Die übrigen bei der Destillation anfallenden Nebenprodukte waren begehrte Ausgangsstoffe z.B. für die chemische Industrie. Der Verkauf dieser Nebenprodukte trug wesentlich zur wirtschaftlichen Blüte der Gaswerke bei. Im Gegensatz zu Stadtgas, das früher aus Steinkohle gewonnen wurde, ist Erdgas völlig ungiftig. Der alte Spruch " dann lege ich meinen Kopf in den Backofen !" stammt aus der Nachkriegszeit, als noch vorwiegend mit Stadtgas geheizt und gekocht wurde. Heute wird Stadtgas (bis auf ganz wenige Ausnahmen) nicht mehr zur Beheizung von Wohnungen verwendet.
In ganz Europa gibt es noch rund 80.000 gasbetriebene Straßenleuchten. Allein 77.000 davon stehen in Deutschland. Die Bundeshauptstadt Berlin hat die dabei den größten Anteil von rund 44.000 Gasleuchten - aber auch die ältesten. Die Leuchten sind bis zu 60 Jahre alt.

Weitere Kommunen mit Gasleuchten sind Mainz, Worms, Bonn und Frankfurt am Main.

Siehe auch >>Berliner Gasleuchte <<